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Integratives Coaching

Autor: Prof. Dr. Rainer J. Wallerius, M.A.

In einem Aufsatz vom Oktober 2006 von Klaus Eidenschink (Eidenschink, K.: Jenseits von Beliebigkeiten. In: managerseminare 103, 2006) bestätigt dieser die Aussage, dass jedem Coaching unterschiedliche psychologische Ansätze, Methoden und Techniken mit unterschiedlichen theoretischen Fundierungen zugrunde liegen, dessen sich in den wenigsten Fällen der Coach bewusst ist.

Um Coaching nicht zu einer reinen Interventionstechnologie und Rezeptologie verkommen zu lassen, bei der nicht das Sosein des Klienten (Coachee) und sein Anliegen, sondern das Instrumentarium des Coachs als Sammelsurium von theoretisch unzusammenhängenden Techniken bestimmen, wie er mit dem Klienten umgeht, müssen die unterschiedlichen Ansätze, die Theoriehintergründe und das Wissen, worauf man sich da stützt, dem Coach bewusst sein.

Mit anderen Worten: Der Coach muss wissen, was er, warum und mit welchen Hintergründen, tut.

Einen solchermaßen bewussten und klientenorientierten Coaching-Prozess nennt er ein „integratives Coaching“. In Anlehnung an Eidenschink sollten fünf Ebenen verantwortlichen Coachings berücksichtigt werden:

1. Bedürfnisebene

Jeder Mensch hat im Austausch mit seiner Umwelt Bedürfnisse, die er als solche wahrnimmt oder aber vergessen oder verdrängt hat bzw. als ambivalent erlebt.
Diese „verborgenen“ Bedürfnisse muss der Coach wahrnehmen (ggf. hinter der bewusst formulierten Zielaufgabe des Klienten).

Bsp.: „soziale Unsicherheit wegbekommen“

  • Wie sieht die vielleicht positive Seite des Weggewünschten aus? Welche Rolle hat die Unsicherheit im Kontext der Psychodynamik des Klienten? Welches möglicherweise verborgene Bedürfnis repräsentiert sie deshalb? (Durch Reframing des 'Symptoms' kann es zu einer neuen Zieldefinition kommen.)

2. Kontext- und Offenheitsebene

Jeder Mensch agiert aus einem je eigenen Weltverständnis heraus, sozusagen aus „Struktureller Abgeschlossenheit“ (vgl. Systemische Theorie).
Um zu überleben, braucht er aber Offenheit, muss „irritierbar“ sein, um sich Veränderungen anpassen zu können.
Coaching muss sich deshalb mit den persönlichen und sozialen Kontexten beschäftigen, in denen der Klient lebt, ohne deren genaue Kenntnis Änderungsziele nicht erreichbar sind.

Bsp.:

  • Was bewirkt die Veränderung des Klienten in seinem Umfeld? Kann er damit umgehen? Welchen Preis zahlt er womöglich dafür?

3. Akzeptanzebene

„Nichts anderes sein wollen als man selbst“ = Sich sowohl in seinen Ressourcen wie in seinen Grenzen wahrnehmen und akzeptieren (= sich in seiner Existenz annehmen). Nur innerhalb dieser Grenzen kann Veränderung erfolgen. Anderssein wollen, als man ist, führt zum Unglücklichsein.

Bsp.:

  • Selbstwahrnehmung des Klienten fördern, auch dessen, was wer fühlt.
    Rapport herstellen; sich als Coach selbst als Mensch einbringen.
  • Resultiert der Änderungswunsch womöglich aus irrationalen Ideen, fremdbestimmten Ansprüchen
    („Du musst in allen Situationen immer kompetent sein ...“)?
  • Welcher Selbstkommentar findet sich beim Klienten?

4. Bewusstheitsebene

„Wissen“ (über Ziele, Strategien etc.) reicht im Coaching-Prozess nicht aus. Es braucht Bewusstheit im Sinne von ganzheitlichem Erleben und damit hohe Wahrnehmungskompetenz des Klienten. Der Coach muss ihm diese vermitteln.

Bsp.:

  • Neue Wahrnehmungsfelder erschließen. Veränderung ganzheitlich erleben lassen. Veränderungen müssen gespürt werden: Veränderung gelingt nur im Zustand der prozessualen Aktivierung!

5. Sinnebene

Erkennen des (verborgenen) Sinnes im Sosein des Klienten: Intuition und Deutungskompetenz einbringen.

Bsp.:

  • Welche Ressource steckt hinter einem abgelehnten, vermeintlich hinderlichen Verhalten? Wie schafft es die Person, das „Symptom“ aufrecht zu erhalten?

Kooperationspartner: xpand