Rituale und gesunde Gewohnheiten
Autor: Günther Höhfeld
In den vergangenen zehn Jahren haben sich Wissenschaft und Forschung verstärkt mit dem Thema „Rituale“ auseinandergesetzt. Dabei haben insbesondere Forscher aus Psychologie, Religionswissenschaften, Soziologie und Theologie viele neue Aspekte entdeckt.
Einige verbinden die Wörter „Ritus“ und „Ritual“ mit dem griechischen Begriff „arithmos“, was „Zahl“ bedeutet. Ein Ritual ist dann etwas Abgezähltes, Strukturgebendes. Andere leiten den Begriff Ritual von der altindischen Wurzel „rtáh“ ab, was soviel wie „angemessen, recht“ bedeutet. Rituale vollziehen demnach etwas, was dem Menschen und seinem Lebensrhythmus angemessen ist, etwas, dass recht und richtig für ihn ist.
Der Soziologe Karl Gabriel definiert Rituale als „stilisierte, wiederholbare Handlungen an den typischen Übergängen und Brüchen des modernen Alltags“. Mit dieser Definition fasst Gabriel alle wissenschaftlichen Zugänge zusammen. Rituale sind gesunde Gewohnheiten für die Seele. Die Seele des Menschen wohnt in Gewohnheiten, Rituale geben der Seele eine Heimat. Es sind gesunde Gewohnheiten für das Denken, Fühlen, Wollen und Entscheiden. Rituale geben dem Menschen Sicherheit, weil sie ihm vertraut sind und eine Art Gerüst geben. Daher kann es sinnvoll sein, Gewohnheiten für sich zu entdecken und zu pflegen.
Bestandteile von Ritualen
Nach Imber-Black (1993) haben Rituale folgende Bestandteile:
- die Wiederholung: eine bestimmte Handlung wird ähnlich mehrfach begangen
- das Tun: es wird nicht nur geredet
- das Besondere: das Tun wird aus dem Alltäglichen herausgehoben
- die Ordnung: sie haben einen definierten Anfang und ein definiertes Ende
- die Sinnträchtigkeit: sie drücken einen Sinn aus, der über die bloße Handlung hinausweist
- das Kollektive: sie werden gemeinsam vorbereitet und ausgeführt
Impulse zum Umsetzen
1. Nehmen Sie sich zwei Wochen Zeit, beobachten Sie sich selbst und fragen Sie sich:
- Was sind meine Hauptgewohnheiten? Was tue ich regelmäßig? Was tue ich wieder und wieder?
- Was macht mir Freude? Was inspiriert mich?
- Was schenkt mir Sicherheit, ohne dass es mich einengt?
2. Beobachten Sie Ihre Gedanken und Gefühle und fragen Sie sich:
- Welche Gedanken- und Gefühlsmuster liegen meinen Gewohnheiten zu Grunde?
- Welche Gedanken- und Gefühlsmuster sind gut für mich, welche schaden mir?
- Wie wäre es, wenn ich meine ungesunden Gedanken- und Gefühlsmuster verändern würde?
3. Beobachten Sie Ihren Willen und Ihre Entscheidungen und fragen Sie sich:
- Was kann/will/werde ich beim besten Willen nicht ändern?
- Was kann/darf sich bei mir ändern?
- Wie wäre es, wenn ich einmal bewusst Neues ausprobieren würde? Wie würde sich das auswirken?

